Scheiße, der beißt doch!

19:10 Edit This 0 Comments »
Das kleine Ding jagte mir einen gehörigen Schrecken ein, als ich heute morgen in halbschlafender Ruhe meinen ersten malayischen Kaffee kochen wollte. Große schwarze Knopfaugen glotzten mich aus einem kleinen grünen Körper an. Jesus, der beißt bestimmt, dachte ich,
als das Ungeheuer bereits kapitulierte und durch den Küchenschrank den Rückzug antrat. Ich teile die Wohnung hier wohl nicht nur mit Angie. Nicht viel größer als der Gecko empfing mich die 31-jährige Malaysierin (ebenso vollbusig wie gesprächig) gestern bei meiner Ankunft in Taman Desa, eines der besseren Viertel hier in Kuala Lumpur. Ein bewachter Wohnblock umsäumt von Palmen und einer lauten Hauptstraße. Ich lebe im 9. Stock und habe einen sensationellen Blick über die rumorende Stadt... in welche ich gestern abend schon eingetaucht bin: mit einem Auto, das viel zu groß für die kleine Angie scheint, fuhren wir mitten durch den feierabendlichen Verkehr, begleitet vom Lärm einer Großstadt. Fast fühlte ich mich zu Hause, wäre nicht alles doch ganz anders gewesen. Ich kam aus dem Staunen nicht heraus; vor lauter "Augen machen" registrierte ich die Blicke der Menschen kaum, die mich ansahen wie ich Herrn Gecko heute morgen.
Jegliches Zeitgefühl durch Jetlag und die betäubende Hitze verloren, saß ich mit meiner Mitbewohnerin noch bis in die frühen Morgenstunden auf der Terasse eines Resaturants, Wein trinkend und philosophierend über Gott im Allgemeinen und die Welt im Besonderen.
Es ist großartig! Ich fühle mich gut und bereit, mein Leben die nächsten Monate hier zu genießen. Ich mache keine Pläne. Nur den, mich treiben zu lassen und mit meiner Neugier dieses Land kennen zu lernen; so unvoreingenommen und tolerant wie man als Deutscher nur sein kann. Um meiner Herkunft aber gerecht zu werden, schmeiße ich mich jetzt in den Bikini und springe erstmal in den hauseigenen Pool. :)

10:42 Edit This 0 Comments »
Es tropfte augenblicklich aus sämtlichen Poren. "Wo kommt der Regen her?!", dachte ich noch, als ich aus dem Flugzeug trat und kein Wölkchen am malaysischen Himmel zu sehen war. In Rinnsalen lief mir der Schweiß übers Gesicht während wir zum Eingang liefen. Vielleicht jedoch nicht nur wegen der 40° und einem Wassergehalt in der Luft, dass man nie wieder duschen bräuchte - sondern auch, weil ich mir zur Passkontrolle noch keine Gedanken gemacht hatte. Brauche ich als Praktikantin nicht doch ein Visum? Was soll ich denn sagen, wenn.../
"Are you alone?" werden meine Sorgen unterbrochen. Durch mein verschmiertes Augen-Makeup erkenne ich mühsam einen jungen Mann, der mich freundlich angrinst und mir keine Zeit zum antworten lässt. "I'm Andrew from Australia, hi. Just coming from a 3-month-trip in Europe. What are you doing here?"
Nach 13 Stunden Flug und der plötzlichen Hitze erkläre ich mich meinem ersten Kontakt in Malaysia ziemlich unbeholfen und registriere während unseres Smalltalks kaum die grimmig dreinschauenden Kontrolleure. Zum Glück keine Probleme - wir sind durch. Erleichtert stehen der Australier und ich mitten irgendwo im Nirgendwo. Ein Taxi muss her. Wir ordern jeder eines an den Schaltern, bezahlen mit den frisch eingetauschten Ringit und werden von der drängenden Masse nach draußen befördert. Es herrscht ein wildes Durcheinander. Lachende Menschen, fremde Gerüche, seltsam klingende Rufe, und über allem diese drückende Hitze! Andrew und ich werden in eine Ecke geschubst - die, Gott sei Dank, endlich! - eine Verschnaufpause zulässt. Mein bis dahin erfolgreich verdrängter Nikotinentzug macht sich so energisch bemerkbar wie die Taxifahrer, die um uns buhlen. Wir unterhalten uns wenig beeindruckt und rauchend noch ein Weilchen über unsere Pläne. Ich beschließe, dass Andrew ein interessanter Mensch ist und lasse mich auf ein Wiedersehen ein, kurz bevor ich ins Taxi steige.


Ich packe meinen Koffer...

02:16 Edit This 0 Comments »

... und wundere mich immer noch, wie mein Leben von einer 70qm-Wohnung zu dieser winzigen Reisetasche schrumpfen konnte. Es schmerzt doch etwas, meine heißgeliebten Schuhe und sonstiges unnützes Zeug zurück zu lassen, aber vermutlich werde ich am Ende sowieso nur im Kleidchen und barfuß reisen.




Nachdem ich vorgestern (!) mehr durch Zufall erfahren habe, dass mein Flug nach London gestrichen wurde, nach einigem Stress mit germanwings und 30 vertelefonierten Euros später nun den Flieger ab Hannover nehmen muss, bin ich gelassen und verdächtig entspannt. Der alte Schrott-BMW ("Schrottarsch") ist an einen seltsamen Russen verkauft (soll er sich doch damit rumärgern), mein Laptop hat ebenfalls den Besitzer gewechselt und ich kann nur hoffen, dass ich von diesen Erlösen die nächsten 5 Monate überleben kann.
Also, 700 Dollar in Travellercheques, ein Reisepass, ein Handy. Ready for takeoff!





Lampenfieber und gedankliche Ergüsse

06:14 Edit This 0 Comments »
Als ich heute morgen aufwachte, überkam es mich - das fiese Lampenfieber. Es lag neben mir wie ein gestrandeter Wal und ließ sich entsprechend wenig bis gar nicht wegbewegen.
Also aufstehen, "es" einfach liegen lassen (vielleicht ist es bis morgen früh zum Fußabtreter geworden) und bei einem ausgedehntem Kaffee-und-Zigaretten-Frühstück die Gedanken schweifen lassen... Was muss noch getan werden? Wie bekomme ich mein Leben in die Reisetasche? Nikotinpflaster kaufen oder einfach aufhören? (Letzteres wurde augenblicklich wieder verworfen.)
Nachdem ich im Laufe des Tages die schlimmsten Eventualitäten aus dem Gedächtnis verbannt habe, kann ich mich endlich wieder freuen und mache aus der Not eine Tugend.

Die Nervosität wird wieder zu meiner unbändigen Abenteuerlust und ich kann es kaum erwarten,
endlich abzuheben!

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philosophischer Happen

04:21 Edit This 0 Comments »
„Der Gewinn eines langen Aufenthaltes außerhalb unseres Landes liegt vielleicht weniger in dem, was wir über fremde Länder erfahren, sondern in dem, was wir dabei über uns selbst lernen.”

Roger Peyrefitte (*1907), frz. Schriftsteller u. Politiker
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23. April: Der Plan...

00:34 Edit This 0 Comments »
Freitag. An sich nichts besonderes, nur bedeutet es, dass ich heute in einer Woche - irgendwo über dem Indischen Ozean - seit mittlerweile 8 Stunden in einem Flieger von AirAsia sitze, vermutlich mit angeschwollenen Beinen und einem noch dickeren Kloß im Hals. Um 20 Uhr Ortszeit soll ich in Kuala Lumpur landen und schicke derweil schon Stoßgebete gen Himmel, es möge tatsächlich so kommen... - diese Billigflieger sind nicht allzu vertrauenswürdig.. Nunja,

"den Mutigen gehört die Welt"

...oder wie war das?!

Da ich der asiatischen Wirtschaft ebenso wenig traue wie den Fluggesellschaften, habe ich für die Zeit nach Malaysia schon mal meine Flüge gebucht. Sollten also keine Tsunamis, Erdbeben oder Raubüberfälle dazwischen kommen, fliege ich am 30. Juli nach Indonesien - genauer gesagt Bali, um dort 12 Tage an den Traumstränden herumzulungern, die beeindruckende Landschaft zu erkunden und hoffentlich viele interessante Menschen kennen zu lernen.
Vom Flughafen Denpasar geht es dann weiter - mit Zwischenstop in Kuala Lumpur - in die Provinz Vientiane (Laos).

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