Begegnung mit der Käsefrucht

06:01 Edit This 0 Comments »
Ich habe herzhaft in ein faules Ei gebissen! So kam es mir vor, als ich heute meine erste Durian probierte. Noch nie in meinem Leben habe ich etwas derart widerwärtiges im Mund gehabt, von dem Gestank in meiner Nase ganz zu schweigen! Nicht umsonst wird dieses gelbe, gallertartige Obst auch Stink- oder Käsefrucht genannt, wobei ich es eher mit einem verwesten Hähnchenschenkel vergleichen würde, der zu lange in der Sonne lag. Nichts, aber auch gar nichts rechtfertigt meinen Drang, das stinkige Teil auch nur anzufassen, geschweige denn zu probieren! Ahnungslos komme ich an einem Stand im Supermarkt vorbei, wo die Durian gerade "frisch" zubereitet wird. Wobei "frisch" nur meint, dass man sie öffnet. Wenn die Frucht noch am Baum hängt, soll sie herrlich duften und wie ein Vanillepudding schmecken. Doch kurz nach der Ernte wird das Fruchtfleisch klebrig und alles daran scheint zu verfaulen. Jetzt steigt mir ein Gemisch aus den bereits erwähnten faulen Eiern und Terpentin in die Nase. Das gelb-grüne Oval in meiner Hand sieht aus wie ein halb ausgebrütetes Küken. 
Jetzt einen Rückzieher machen geht nicht, denke ich, schließe die Augen und kaue todesmutig einen Lappen Fruchtfleisch ab. Kaum dass die klebrige Masse meine Geschmacksnerven berührt, könnte ich schon kotzen. Mir wird augenblicklich schlecht, die umstehenden Malaien lachen. Haha, sehr witzig. Ich bin empört, dass mich keiner vor diesem Todeszeug warnt ! - schmeiße den Schenkel in den Mülleimer und mache auf dem Absatz kehrt. 
Um mich von dieser Erfahrung zu erholen, bleibt ganz klar nur eine Möglichkeit: Schuhe shoppen! Doch die Ernüchterung folgt im wahrsten Sinne des Wortes auf dem Fuße: meine Quadratlatschen in Größe 42 stellen schon in Deutschland ein ernsthaftes Problem dar, etwas Passendes zu finden - den Anspruch an schöne Schuhe habe ich mir bereits abtrainiert. Während meine Füße in viel zu enge Sandalen gepresst werden, muss ich aufstoßen und ein Stück des toten Kükens macht sich in meinem Rachen breit. Ich schicke Durian, Gott, Allah und Buddha zur Hölle und mache mich würgend auf den Heimweg.


verrückte Welt - ein Tag in Chinatown

22:54 Edit This 0 Comments »
Von der Klimaanlage leicht angefroren liege ich wie ein Tiefkühlhähnchen im Bett. Leicht schwankend öffne ich das Fenster, um die Wärme rein zu lassen. Binnen weniger Sekunden hat sich mein Zimmer mit der stickig-schwülen Luft gefüllt, ich taue auf. Ganz so standfest war ich gestern wohl doch nicht mehr, denke ich, und registriere einen leichten Druck jenseits der Schläfen. Mein erster Hangover in Malaysia, und das schon nach 2 Tagen. Leise schimpfe ich mit mir selbst, während ich das Wasser für den Instantkaffee koche.

Ich stelle mich schon mal auf eine längere Wartezeit in meinem Bushäuschen ein und werde die nächsten 20 Minuten wie ein Spiegelei von der Sonne gebraten, bis er am Ende der Straße auftaucht. Laut "Fahrplan" soll er mich direkt bis zur Jalan Petaling bringen; eine pulsierende Straße des Konsums, der Inbegriff von Kaufwahn, der wahr gewordene Traum des Schnäppchenjägers!! Unübersichtliche, enge Gassen schlängeln sich bis zum Eingang, wo mich der brodelnde Kessel der asiatischen Plagiatindustrie empfängt.
Es ist feucht in der von Schlaglöchern übersäten Straße, auf den Bürgersteigen dampft es aus zahlreichen Kesseln, in denen undefinierbares Essen gekocht wird. Fluoreszierendes Gelb mischt sich in den Obstständen mit grellem Rot, Nebelschwaden ziehen durch die Luft, ich drehe mich nur noch im Kreis und muss meinen Unterkiefer festhalten, dass er vor lauter ungläubigem Staunen nicht aushakt! Ich presse ein wenig ängstlich mein Portemonnaie an mich und wage mich in die Höhle des Löwen... "echte" Taschen von Prada bis Escada, Parfüm aller erdenklichen Marken, Uhren und Sonnenbrillen,  Kleider und gebrannte Filme soweit das Auge reicht! Hier endet jeglicher Skrupel, hier wird die Wirtschaft zugrunde gerichtet; denke ich noch, bis ich vor einer Ray Ban Sonnenbrille stehe und sämtliche Skepsis von mir abfällt! Die guten Stücke kosten in Deutschland um die 100 Euro, ich feilsche mit dem kleinen Chinesen so lange, bis wir uns bei 40 Ringgit einigen. Das sind etwa 10 Euro und ich bin glücklich. Mit meiner Errungenschaft und stolz wie Bolle treffe ich mich mit Andrew in einem nahe gelegenen Shoppingcenter.
 Die kühle Luft hier drin lässt mein Hirn wieder atmen und ich bemerke ein riesiges Loch in meinem Magen. Wir entscheiden und für einen Sushi-Circle. Kleine Katzengesichter, Kaviar und Lachshäppchen fahren an meinem Auge vorbei - ich esse das beste Sushi meines Lebens und das zu einem Spottpreis. Oh wunderbares Asien!
 Mit Fisch gefüllt rolle ich mich, einem Rollmops gleich, hinaus in den Monsun. Es regnet hier tatsächlich jeden Tag, was eine willkommene Abwechslung zu der unbarmherzigen Sonne darstellt, wenn auch nur für 10 Minuten. Mit der einsetzenden Dunkelheit geht ein weiterer Tag in Kuala Lumpur zu Ende und ich schaue gespannt auf die nächsten...

Im Rausch

07:23 Edit This 0 Comments »
Die Straße ist dunkel und verlassen. Hinter mir raschelt etwas im Gebüsch. Ich starre gespannt auf das undurchdringliche Schwarz der Blätter und warte. Irgendetwas bewegt sich dort. Mir läuft ein Schauer über den Rücken, als ich mich einem gelben Augenpaar gegenüber sehe. "Jesus!", fluche ich, als der zu den Augen gehörende Körper wie ein Geist aus der Dunkelheit erscheint. Das schwarze katzenartige Tier mustert mich skeptisch und beschließt dann offensichtlich, sich nicht weiter um mich zu scheren, was mir nur recht ist.
Also gut, noch einmal, denke ich, und ziehe mein Handy aus der Tasche. Ein letztes Mal versuche ich vergeblich, ein Taxi zu ordern, das mich nach Bangkit Desa bringen soll. Dort könnte ich seit einer halben Stunde mit Andrew in der GipsyBar sitzen und Bier trinken. Es ist 12 Uhr nachts und ich überlege ernsthaft, ob nicht doch noch ein Bus fährt... welch Naivität! Taxen scheinen jedoch ebenso Mangelware zu sein wie der Nahverkehr unzuverlässig ist. Um die Wartezeit auf eines der Vehikel zu überbrücken, versuche ich nun doch, mich ein wenig mit der Katze anzufreunden. Vielleicht hat sie es sich ja anders überlegt. "Muschimuschi", höre ich mich rufen. Muschimuschi??? Ich bin nah dran, mich zu schämen. Doch ehe das Tier seinen Unmut über meinen kläglichen Versuch äußern kann, höre ich die Rettung um eine Ecke fahren und springe fast vors Auto. Endlich.
Wie die Reeperbahn in groß, noch größer, eröffnet sich die Samstagnacht vor mir. Ohrenbetäubende Musik dröhnt aus den zahllosen Bars und Clubs, in denen junge Chinesinnen (oder doch Thais?) sehr offenherzig und sehr erfolgreich um die Gunst älterer (vornehmlich europäischer) Herrschaften buhlen. Die Damen tanzen, ich staune. Berauscht von den Eindrücken schlängele ich mich gekonnt vorbei an den lüsternen Blicken, durch ein Wirrwarr von Wörtern, entlang des nächtlichen Chaos dieser faszinierenden Welt. Durch die schwarzen Haare und Augen hindurch erblicke ich endlich einen blonden Andrew!
Fast schon monoton leiere ich in den nächsten Stunden den Satz "thats my boyfriend" runter, um mir die allzu kontaktfreudigen Männer fernzuhalten, welche wirklich nichts unversucht lassen und bemerkenswert ausdauernd sind. Mein Begleiter und ich finden wenig später ein entspanntes Plätzchen auf der Terasse eines Clubs. Ich fühle die heiße Luft auf meiner Haut und den Wodka in mir wirken. Eine angenehme Mischung aus Emotionen durchflutet mich; ich lasse mich treiben und vergesse die Welt um mich herum...
Gegen 6 Uhr früh müssen Andrew und ich unsere gehaltvollen Diskussionen beenden, als wir etwas unsanft aus dem Club befördert werden. Auch in Asien geht die Nacht vorüber und wie überall auf der Welt torkeln die letzten einsamen Seelen mit leerem Blick vorbei. Stolz, noch so standfest zu sein, verabschiede ich mich von Andrew und sinke glücklich in das kühle Leder des nächstbesten Taxis.

Bunter Hund mit Schafswolle

04:48 Edit This 0 Comments »
Als Frau habe ich keinen allzu großen Anspruch an meinen Orientierungssinn. Aber dass ich nicht mal mehr aus dem Wohnblock finde, ist erstaunlich und bereitet mir ernsthaft Sorgen! Ich kann die Straße doch schon hören!! 20 Minuten laufe ich im Kreis und steige wenigstens noch 5 mal in den Aufzug, bis ich demütig den nächsten Chinesen der um die Ecke biegt, frage, wo dieser verdammte Ausgang ist! Ich werde mit einem mitleidigen Blick bedacht, erhalte aber die gewünschte Auskunft. Von dieser Peinlichkeit auf dem Weg zur Bushaltestelle ziehe ich es ernsthaft in Erwägung, meine Haare raspelkurz ab zu schneiden. Durch die Luftfeuchtigkeit habe ich Ähnlichkeit mit einem Schaf. Es kräuselt sich wild auf meinem Kopf, unter der Stahlwolle bildet sich bereits ein kleiner Bach. Mit dem rotblonden Lockenkopf provoziere ich Hupkonzerte und  misstrauische Blicke, wo ich gehe und stehe. "Wenn du jemanden ohne Lächeln siehst, gib ihm Deines", erinnere ich mich an ein indisches Sprichwort. Mit einem (zugegeben etwas dümmlichen) Dauergrinsen sitze ich also die nächste halbe Stunde im Wartehäuschen und tue genau das, was dieser kleine Holzbau vermuten lässt. Warten. Kein Bus weit und breit. Ein Fahrplan? Fehlanzeige. 

Rauchen, warten...

Ich sitze in der Pampa fest und lerne die deutsche Zuverlässigkeit schätzen. Leise fluchend winke ich das nächste Taxi heran und schon sitze ich in einem nicht allzu vertrauenswürdigen aber klimatisiertem Vehikel, das mich Richtung Mid Valley bringt - dem gewaltigsten Shoppingcenter, das ich je gesehen habe. Mehrere Fußballfelder groß baut es sich vor mir auf, es ist, als hätte sich hier ganz Asien zum Einkaufen versammelt! Von Blicken verfolgt schlendere ich durch die Geschäfte - ein Paradies! Von Topshop über Zara bis hin zu Prada und Co ist alles vertreten und ich muss mich zügeln, nicht sofort das gesamte Kaufhaus leer zu räumen! Am Ende sitze ich glücklich mit zwei neuen Kleidern und einer sündhaft teuren Creme von Vichy in einem überfüllten Restaurant und bestelle das, was am wenigsten die Gefahr birgt, eklig zu sein oder meinen Magen umzudrehen. Reis, Hähnchen, Gemüse. Lecker! Rechtzeitig bevor der Monsun einsetzt, begleitet von krachenden Blitzen und grollendem Donner, bin ich wieder zurück in meiner Wohnung. Diesmal habe ich den Eingang sofort gefunden. :)

Nach einem Skypegespräch nach Hause sitze ich jetzt auf dem Balkon, lausche zufrieden dem feinen Regen, der auf das Dach prasselt und sehe erwartungsvoll der Nacht entgegen. 





Scheiße, der beißt doch!

19:10 Edit This 0 Comments »
Das kleine Ding jagte mir einen gehörigen Schrecken ein, als ich heute morgen in halbschlafender Ruhe meinen ersten malayischen Kaffee kochen wollte. Große schwarze Knopfaugen glotzten mich aus einem kleinen grünen Körper an. Jesus, der beißt bestimmt, dachte ich,
als das Ungeheuer bereits kapitulierte und durch den Küchenschrank den Rückzug antrat. Ich teile die Wohnung hier wohl nicht nur mit Angie. Nicht viel größer als der Gecko empfing mich die 31-jährige Malaysierin (ebenso vollbusig wie gesprächig) gestern bei meiner Ankunft in Taman Desa, eines der besseren Viertel hier in Kuala Lumpur. Ein bewachter Wohnblock umsäumt von Palmen und einer lauten Hauptstraße. Ich lebe im 9. Stock und habe einen sensationellen Blick über die rumorende Stadt... in welche ich gestern abend schon eingetaucht bin: mit einem Auto, das viel zu groß für die kleine Angie scheint, fuhren wir mitten durch den feierabendlichen Verkehr, begleitet vom Lärm einer Großstadt. Fast fühlte ich mich zu Hause, wäre nicht alles doch ganz anders gewesen. Ich kam aus dem Staunen nicht heraus; vor lauter "Augen machen" registrierte ich die Blicke der Menschen kaum, die mich ansahen wie ich Herrn Gecko heute morgen.
Jegliches Zeitgefühl durch Jetlag und die betäubende Hitze verloren, saß ich mit meiner Mitbewohnerin noch bis in die frühen Morgenstunden auf der Terasse eines Resaturants, Wein trinkend und philosophierend über Gott im Allgemeinen und die Welt im Besonderen.
Es ist großartig! Ich fühle mich gut und bereit, mein Leben die nächsten Monate hier zu genießen. Ich mache keine Pläne. Nur den, mich treiben zu lassen und mit meiner Neugier dieses Land kennen zu lernen; so unvoreingenommen und tolerant wie man als Deutscher nur sein kann. Um meiner Herkunft aber gerecht zu werden, schmeiße ich mich jetzt in den Bikini und springe erstmal in den hauseigenen Pool. :)

10:42 Edit This 0 Comments »
Es tropfte augenblicklich aus sämtlichen Poren. "Wo kommt der Regen her?!", dachte ich noch, als ich aus dem Flugzeug trat und kein Wölkchen am malaysischen Himmel zu sehen war. In Rinnsalen lief mir der Schweiß übers Gesicht während wir zum Eingang liefen. Vielleicht jedoch nicht nur wegen der 40° und einem Wassergehalt in der Luft, dass man nie wieder duschen bräuchte - sondern auch, weil ich mir zur Passkontrolle noch keine Gedanken gemacht hatte. Brauche ich als Praktikantin nicht doch ein Visum? Was soll ich denn sagen, wenn.../
"Are you alone?" werden meine Sorgen unterbrochen. Durch mein verschmiertes Augen-Makeup erkenne ich mühsam einen jungen Mann, der mich freundlich angrinst und mir keine Zeit zum antworten lässt. "I'm Andrew from Australia, hi. Just coming from a 3-month-trip in Europe. What are you doing here?"
Nach 13 Stunden Flug und der plötzlichen Hitze erkläre ich mich meinem ersten Kontakt in Malaysia ziemlich unbeholfen und registriere während unseres Smalltalks kaum die grimmig dreinschauenden Kontrolleure. Zum Glück keine Probleme - wir sind durch. Erleichtert stehen der Australier und ich mitten irgendwo im Nirgendwo. Ein Taxi muss her. Wir ordern jeder eines an den Schaltern, bezahlen mit den frisch eingetauschten Ringit und werden von der drängenden Masse nach draußen befördert. Es herrscht ein wildes Durcheinander. Lachende Menschen, fremde Gerüche, seltsam klingende Rufe, und über allem diese drückende Hitze! Andrew und ich werden in eine Ecke geschubst - die, Gott sei Dank, endlich! - eine Verschnaufpause zulässt. Mein bis dahin erfolgreich verdrängter Nikotinentzug macht sich so energisch bemerkbar wie die Taxifahrer, die um uns buhlen. Wir unterhalten uns wenig beeindruckt und rauchend noch ein Weilchen über unsere Pläne. Ich beschließe, dass Andrew ein interessanter Mensch ist und lasse mich auf ein Wiedersehen ein, kurz bevor ich ins Taxi steige.


Ich packe meinen Koffer...

02:16 Edit This 0 Comments »

... und wundere mich immer noch, wie mein Leben von einer 70qm-Wohnung zu dieser winzigen Reisetasche schrumpfen konnte. Es schmerzt doch etwas, meine heißgeliebten Schuhe und sonstiges unnützes Zeug zurück zu lassen, aber vermutlich werde ich am Ende sowieso nur im Kleidchen und barfuß reisen.




Nachdem ich vorgestern (!) mehr durch Zufall erfahren habe, dass mein Flug nach London gestrichen wurde, nach einigem Stress mit germanwings und 30 vertelefonierten Euros später nun den Flieger ab Hannover nehmen muss, bin ich gelassen und verdächtig entspannt. Der alte Schrott-BMW ("Schrottarsch") ist an einen seltsamen Russen verkauft (soll er sich doch damit rumärgern), mein Laptop hat ebenfalls den Besitzer gewechselt und ich kann nur hoffen, dass ich von diesen Erlösen die nächsten 5 Monate überleben kann.
Also, 700 Dollar in Travellercheques, ein Reisepass, ein Handy. Ready for takeoff!